Janalunas Tummelplatz

 

 

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Blog "Sofasophien" (seit Juni 09)

       

 

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(Betreff: Janaluna)

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*Namen teilweise geändert












 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

    

 

Sonntag, 7. Juni 2009

My Blog is born!

Herzlich Willkommen auf meinem WordPress-Blog,
der dieses Internet-Tagebuch ab sofort ablöst!

Ich freue mich auf deine Kommentare und den Dialog mit dir!

Klick hier: http://sofasophien.wordpress.com

 

Donnerstag, 4. Juni 2009

So schön (Klick zum Blog)

Pfingstmontag ist Vergangenheit. Unser Schreibmarathon war genial! So was Inspirierendes habe ich schon lange nicht mehr erlebt und gemacht! Die Idee stammt aus dem Buch "Writing to the Bones" von Natalie Goldberg, die, so viel ich weiss, neben der Schreibarbeit auch therapeutisch und schamanisch arbeitet.
     Schreibmarathon - das heisst Schreibenschreibenschreiben in der Gruppe. Die erste Runde zehn Minuten lang (mit per Los gezogenem Thema oder ohne). Dann lesen alle einander ihre Schreibe vor. Ganz wichtig: Keinerlei Kommentar
e abgeben!!! Wieder schreiben (allenfalls unter Bezugnahme auf Themen der anderen), diesmal eine Viertelstunde. Und wieder vorlesen. Und wieder schreiben und vorlesen. Usw. Die Schreibsequenzen werden jedes Mal ein bisschen länger. Da kommt der Flow!!! Ist bisschen wie Tanzen. Geil! Vor allem, weil es auch mal schräg sein darf, das Schreiben, unperfekt. Kreativ. Lebendig.

Heute auf dem Weg zur Arbeit gedacht: Das Leben ist doch nur spannend wegen der Fallmaschen. Wir sind zwar alles Ästheten und Ästhetinnen und lieben Schönes. Doch wenn alles immer perfekt und wunderschön wäre, puh!, was wäre das Leben langweilig!
     Es sind in einem Gesicht ja gerade die winzigen Asymmetrien, die es lebendig machen. Jedenfalls in den Gesichtern der anderen. Bei uns selber sollte natürlich alles schön sein, perfekt, ästhetisch.

Auf dem Weg von der Post ins Büro habe ich mir alle möglichen Menschen angeschaut. Alle wollen den äusseren Eindruck von Schönheit, Harmonie und "Ich habe das Leben im Griff" vermitteln. Alle. Ich auch.
     Und doch: Wie langweilig es wäre, wenn alles immer aufginge. Wenn wir wirklich immer alles im Griff hätten. Wenn es keine Fallmaschen gäbe. Wie schnell es mich langweilen würde, wenn ich immer die Lücke
zwischen zwei Autos erwischen würde, um die Strassenseite zu wechseln. Zum Beispiel. Oder wenn mein MP3-Player immer jenes Stück anwählen würde, das ich jetzt am liebsten hören möchte. Oder immer alles so wäre, wie ich es mir wünsche. Wie es will. Wie ich es möchte. Falls ich das überhaupt weiss. Oft genug weiss ich ganz und gar nicht, was ich will. Dann tu ich so, als ob das, was ich gerade tue, das wäre, was ich will.
     So schönen wir uns die Welt zusammen. Ohne Nachhilfe und ein bisschen die Augen zukneifen wäre das Leben nur schwer zu ertragen. Manchmal. In genau diesen Augenblicken wünsche ich mir meine Unschuld zurück. In jeder Beziehung. IN JEDER!

 

Sonntag, 31. Mai 2009

Leer (Mittag) (Klick zum Blog)

Sind es (wirklich nur) die Hormone, die prämenstruellen, die eine Frau - mich! - von glücklich in ungeniessbar verwandeln? Haben es andere einfacher? Sind Männer diesbezüglich wirklich besser dran?
    
Oder sind es die Feiertage? An jenen Tagen, wo Menschen sich mit ihren Liebsten zusammenrotten, haben es Singles besonders schwer. Entweder docken sie sich an ein bestehendes Set an - das so glücklich vielleicht auch gar nicht ist (doch immerhin haben sie einander und sind nicht allein)-, lassen sich einladen oder bleiben allein.
     Doch genau zu diesen Zeiten fühle ich mich oft dermassen ungeniessbar, dass ich Einladungen (diesmal zwei) in den Wind schlage. Melissas* gestrige Absage an meine Adresse war allerdings unvorhergesehen. Ihre Tochter kam spät nachts besoffen nach Hause und brauchte Mamas Nähe. Natürlich. Dazu sind ja Mütter da.
     Käme Lars eines Tages besoffen heim, wäre ich ja auch für ihn da. Nur dass ich diesen Tag nicht erleben werde. Ausserdem wäre er ja jetzt erst neun, wenn er noch leben würde - ein bisschen früh für solche Exzesse. "Wenn doch" und "wäre" und "hätte ich" sind mal wieder sehr nahe Nachbarn. *seufz*
     Das Viel-Zeit-haben, worauf ich mich so gefreut habe, wird mir mal wieder verdorben. Von den Hormonen. Und den Umständen. Ich Arme! Jawohl! Hm. Es ist, wie es ist.

Morgen tagt unsere Schreibgruppe zum gemeinsamen Schreibmarathon. Darauf freue ich mich total!

Und auch über die musikalischen Highlights der vergangenen Woche!

Pippo Pollina solo im ONO. À la carte. Will heissen, er servierte uns pfannenfertig jene Songs, die das Publikum bestellt hat. Genial! In den ungefähr fünfzehn Jahren, die ich Pippo nun kenne, begeistert mich immer wieder seine Bühnenpräsenz.

Neu entdeckt: www.chantemoiselle.ch Tango, Blues  und mehr ... Bärndütsch!!! Musik für Herz, Seele und Füsse!

Voll (Abend) (Klick zum Blog)

Habe mal wieder den Bantiger heimgesucht. Bestiegen und erklommen. Die Weitsicht genossen. Das Herz gefüllt. Höhenluft geatmet. Sonne getankt. Den Wind gespürt. Bilder gehamstert - als Vorrat für kalte Tage.
 
... ach ja, auch mein Sternchen* hat mal wieder vollgetankt! So haben eben alle ihre Bedürfnisse.
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(*= Toyota Starlet. Aber frage bitte niemand, wie alt die vierrädrige Dame ist ...).


 

Sonn(en)tag, 24. Mai 2009

Die Natur der Dinge (Klick zum Blog)

Ich bin zurzeit fast jede Minute draussen. Zu Fuss oder mit dem Velo im Wald unterwegs. Oder sonst wo in der Natur. Frühling/Sommer, Sonne, Wasser und Natur sind mein Lebenselixier. Heute wanderte ich an einem wunderschönen Bach entlang. Das Wasser war zwar noch ein bisschen sehr kalt, aber drin war ich trotzdem. Wenn auch nur kurz.

(... ein Draufklick und das Bild wird gross!)

Ich finde nichts inspirierender, als durch die Natur zu gehen. Die Geräuschkulisse lässt meine Gedanken drunter und drüber purzeln. Geschichten werden gezeugt und Probleme gelöst ... das Leben scheint einfach und ich unverwundbar, stark und kreativ.

Noch immer philosophiere ich über den Schädling und den Nützling Mensch und frage mich ...

  • Wo sind die Grenzen zwischen gesund und krank?

  • Wo sind die Grenzen zwischen gut und böse?

  • Wo sind die Grenzen zwischen schädlich und nützlich?
    Wer definiert sie?

  • Wem nützt die Moral?

  • Wie verhalten wir uns, wenn jemand die von uns definierten Grenzen überschreitet?

  • Wie verhalten wir uns, wenn jemand nicht begreift, dass er uns geschadet hat?

  • Braucht es Gesetze und wenn ja, wozu? Und wenn ja, wer sagt dieses JA?

Doch die alles entscheidende Fragen lauten: 

  • Wie gehen wir mit Angst und Schmerz um?

  • Wo finden wir Trost? (Moderner gesagt: Was tun wir für unsere Psychohygiene?)

 

Samstag, 23. Mai 2009

Schädling Mensch II 

Und ich glaube trotzdem, dass die Erde irgendwann und irgendwie mit uns fertig wird. Obwohl wir Schädlinge sind. 
     Sagt ein Planet zum anderen: Na, wie gehts denn so? Sind ja paar Lichtjahre vergangen, seit wir uns zum letzten Mal gesehen haben!
     Antwortet der andere: Puh! Frag lieber nicht! Habe grad Homo sapiens ... das juckt überall! Ziemlich lästig!
     Meint der erste: Keine Panik! Hatte ich auch schon. Ist zwar unangenehm, geht aber vorüber ...

Der 
Film "Das Schweigen der Lämmer", den ich gestern gesehen habe, brachte mich im Zusammenhang mit meiner 'Schädling Mensch'-
Theorie auf altneue Gedanken. (Alt deshalb, weil alles Gedachte irgendwie Recycling ist.)
     Item. Was motiviert einen Menschen einem anderen Menschen Schaden zuzufügen, wie es beispielsweise Hannibal Lecter und "Buffalo Bill" im besagten Film tun? Oder auch ein bisschen weniger heftig. Ganz alltäglich. Meine zweite Frage stelle ich besser nicht: "Wieso ergötzen wir uns an Krimis, Horror, Dramen und dergleichen mehr?", denn die erste ist nahrhaft genug und Erklärungsansätze gibt es viele.
     Wir alle fügen anderen Schaden zu. Bewusst oder unbewusst. Immer wieder. Jeden Tag. In der Regel rechtfertigen wir unsere Taten mit scheinbar logischen Erklärungen. Möglicherweise spüren wir zwar, dass unser Tun nicht mit unserer Ethik übereinstimmt und haben deswegen ein schlechtes Gewissen, können aber scheinbar - Sachzwänge und so - nichts daran ändern. Oder aber wir bitten das Gegenüber, dem wir geschadet haben, um Verzeihung. So weit so gut.
     Was aber steckt denn hinter unserer Handlung WIRKLICH? Ja? Genau! Wir sind selber Opfer einer schmerzhaften Handlung gewesen. Deshalb. Deshalb reagieren wir heute so und nicht anders. Bewusst oder unbewusst. Ich weiss, dass das abgedroschen tönt und zigmal durchgekaut. Das mit dem Opfer ist sowohl wahr als auch eine totale Selbstverarschung. ("Ich kann nichts dafür, dass ich dich geschlagen habe. Weisst du, mein Vater hat mich damals auch geschlagen ...!")

Ich bitte um eine Gedenkminute für Luc (4), der am letzten Montag von seinem Vater unter den Zug geworfen wurde. Beide starben. Sein Vater ist durchgedreht, weil seine Ex-Frau, also Lucs Mutter, mit ihrem neuen Partner nach Marocco, in ihre Heimat, zurückkehren wollte. So sehr ich Verständnis für die Traurigkeit und Verzweiflung des Vaters habe,
so denke ich doch einmal mehr an Brechts Kreidekreis. Mich empört die Berichterstattung in den Medien!  Bei jedem anderen erweiterten Suizid wird der Täter von den Medien gerügt und die Mutter bedauert. Zu Recht. Doch hier, wo es um einen sympathischen Lehrer, der verzweifelt war und eine ausländische böse Mutter geht, haben alle bloss Verständnis für den Täter. Puh. Warum mich das bloss so aufwühlt?

Ooops. Jetzt hab ich mich verzettelt. Eigentlich wollte ich ja gar nicht diese alten Opfertheorien aufwärmen. Und urteilen will ich schon gar nicht. Eigentlich wollte ich doch über unsere Wunden schreiben. Und dass ich, je älter ich bin, ahne, spüre, denke, dass wir dazu hier sind (Menschen dieser Erde), um uns mit diesen Wunden auseinanderzusetzen, an ihnen zu arbeiten. Um menschlicher zu werden, nicht perfekt, aber um unsere Unvollkommenheit zu integrieren und zu akzeptieren. Kurz: Um lieben zu lernen, was ist. Lieben TROTZallem.

     Das Leben ist eine Möglichkeit trotz alldem, was nicht gut ist, was weh tut, was vernarbt ist, was wund und krank ist, sich selber liebevoll zu begegnen. Sich selber und denn anderen. Und der Erde. Wenn ich den anderen schade, spiegelt das meinen Umgang mit mir selbst. Selbstsabotage.
     Wie der gute alte Tschiises schon sagte, früher mal: Liebe dich selbst. Und deinen Nächsten ebenso wie du dich selbst liebst. Oder so. Frei nach Janaluna. Übrigens einer der wirklich essentiellen Aussagen der Bibel, finde ich.

 

Donnerstag, 21. Mai 2009

Schädling Mensch I

Eine meiner Thesen über die Welt besagt, dass der Mensch der einzige Schädling ist, der auf der Erde herumwuselt. Alle andern Lebewesen sterben, wandeln und erneuern sich laufend in einem natürlichen Kreislauf. Will heissen, sie würden. Konjunktiv. Hätte der Mensch nicht drein gefunkt.
     Ich meine damit allerdings NICHT, dass der Mensch ausschliesslich ein Schädling ist, nur dass er der einzige Schädling ist.  Na ja, Kakerlaken, Stechmücken undsoweiter hat ja der Mensch als Schädling definiert. Würden wir jedoch die Meinung der Kakerlaken und Mücken einholen, würde der Mensch gewiss  nicht besonders gut abschneiden!

Zum Glück kann der Mensch auch Gutes tun. Warum auch immer. Vielleicht um gemocht zu werden? Besser immerhin als gar nicht, doch an Altruismus glauben mag ich nicht.

Weil der Mensch, wie gesagt, (auch) ein Schädling ist, braucht es auf dieser Erde, des Gleichgewichtes wegen - obwohl dies leider nicht wirklich genug Gegengewicht ergibt - die Arbeit von Hilfswerken. Obwohl es eigentlich tragisch ist, dass es diese braucht.
     Jedes Hilfswerk ist eine Re-Aktion. Es re-agiert auf die Folge der Zerstörung oben genannter natürlicher Abläufe durch den Schädling Mensch. Jegliche Form von Kolonialismus (früher Missionierung) riss und reisst Menschen aus ihrem kreatürlichen Netz und archaischen Rhythmus heraus. So wurden und werden Menschen – auf welchen Wegen auch immer – zu Bedürftigen und zu Flüchtlingen gemacht. Natürlich gibt es auch jene Völker, die wegen Naturkatastrophen ihre Habe verloren haben, doch die sind statistisch klar in der Minderheit. Jene Entwicklungshilfe-Projekte, die sich an Ethnien richten, die schlicht und einfach keine Ahnung von Hygiene, Familienplanung etc. haben, sind dennoch letztlich auch Re-Aktionen auf menschliche Repressalien (zum Beispiel in Form patriarchaler Religionsausübung!). Oder möglicherweise  haben Menschen ihre Wasserrechte für wenig Geld den "reichen Weissen" verkauft, kurzsichtig vom Geld geblendet, nicht an die Folgen denkend.
     Was ich sagen will: Jedes Hilfswerk ist so gesehen eine Re-aktion auf die laufenden Machtspiele, auf die Folgen von Kriegen und Ausbeutung.
     Nein, das ist nicht pessimistisch gemeint. Es ist eine Tatsache. Kurz gesagt: Weil es Kriege gab und gibt, habe ich eine Arbeitsstelle.

Ein Hilfswerk funktioniert nur, weil es ganz viele Menschen der Kategorie Nützling gibt, die an die sozialen und humanitären Werte glauben.
     Ja, der Mensch ist der einzige Schädling. Und, ja,  er ist auch ein Nützling, denn ab und zu versucht er, den Mist, den er sich und der Mitwelt eingebrockt hat, selb
er auszulöffeln, oder ein bisschen dabei zu helfen zumindest. Im ständigen Widerstreit mit sich selber. Weil er eben ständig in dieser krassen Ambivalenz und Diskrepanz lebt von Kurzsichtigkeit und Bequemlichkeit versus weiser Voraussicht und Verantwortung.

Puh, wie viel klüger doch die Bäume sind. Und die Tiere. Und die Steine erst!

 

Donnerstag, 14. Mai 2009

Von Zeckenbissen und anderen Lebensgefahren

Was soll das? Es juckt mich. Was für ein Erwachen! Ein Mückenstich an der Fessel, na so was! Was fällt dem Vieh bloss ein, mich zu pieksen? Mich, die ich pro Jahr auf durchschnittlich 1,329 Mückenstiche komme und von Bremsen und Zecken weiträumig umgangen werde. Seit Jahren!
     Unter der Dusche die zweite Entdeckung. Habe unter der linken Achsel eine klitzekleine Zecke beim Frühstück ertappt. Mit der Zeckenzange entfernen ist dort gar nicht so e
infach. Ich sehe nicht wirklich viel. Habe ich alles erwischt? Muss ich das meiner Ärztin zeigen? Na bravo, donnerstags hat meine Ärztin ja gar keine Sprechstunde. Wozu gibt es den City-Notfall?

Gedacht, getan. Vermutliche Wartezeit vierzig Minuten, wird mir beschieden. Ich gehe kurz zur Post gegenüber und leere das Geschäftspostfach. Melde mich im Büro für unbestimmte Zeit ab und lese wartend meine Büro-Post. Dann die Zeitung. Anschliessend das neue Asterix. Und danach drehe ich Däumchen, zähle Minuten, zähle die Ärzte (männlich alle), zähle die Assistentinnen (weiblich alle). Beobachte die neuen Patientinnen. Versuche mir ihre Krankheitsgeschichten auszumalen. Drehe noch mehr Däumchen. Schaue zur Uhr.
     Nach über einer Stunde erbarmt sich eine Medizinstudentin, die dort ihr Praktikum absolviert, meiner. Sie entdeckt in meiner kleinen Wunde Zeckenrückstände, will aber - als Praktikantin - eine medizinische Zweitmeinung. Bis ein Arzt frei wird, vergeht eine weitere halbe Stunde. In zwei Minuten ist klar, dass es tatsächlich noch Rückstände in der Wunde hat, die sich entweder selber rausarbeiten oder aber rausgepult werden können. Kein Zeckenkopf. Entwarnung also. Göttinseidank. Ich beschliesse, die Studentin ein bisschen zu unterhalten und lasse sie die Beine rauspulen. Gut macht sie das.

Auf dem Weg zum Büro bin ich zweimal fast unter die Räder gekommen. Leben ist lebensgefährlich! Mit zweieinhalbstündiger Verspätung erscheine ich endlich lebendig an meinem Arbeitsplatz und habe zumindest eins gelernt: Zeckenbisse gelten als Unfälle und werden von der Betriebsversicherung übernommen. Immerhin etwas.

Trotzdem werde ich weiterhin in den Wald gehen. Gestern war ich sogar joggen. Jawohl! Ich! Joggen! Seit ich nicht mehr rauche, habe ich mehr Lust, mich zu bewegen. Wer hätte das je gedacht!

Ich habe nun wohl mehr Sauerstoff im Blut. Ob die Mü- und Zecken mich wohl deshalb ab sofort zum Fressen gern haben?

 

Freitag, 8. Mai 2009

Nahrung

Heute, bei meiner morgendlichen kleinen Göttinnenmeditation, bei der ich mir den jeweiligen Tagestext aus Luisa Francias Göttinnenbuch vorlese, kamen mir folgende Gedanken:
     Jede Göttin hat so ihre Vorlieben, ihren Charakter, ihre Lieblingsklientel, der sie helfen will, wenn sie gefragt wird. Aha, auch in den himmlischen Gefilden sind nicht alle für alle Themen zuständig. Wie in der „realen“ Welt also, wie in der „Wirklichkeit“, der wirklichen Keit. Während die eine Göttin bei Liebesproblemen hilft, Aphrodite zum Beispiel, reicht uns eine andere die Hand, wenn es gilt die Schwelle zwischen Leben und Tod zu überschreiten. Wieder andere helfen bei Saat und Ernte, bei der Begegnung mit den eigenen Schatten, bei den alltäglichen Sorgen, bei Kummer, bei Krankheit. Wieder andere helfen gar nicht – jedenfalls nicht direkt –, sondern fordern uns heraus, beherzt und mutig zu sein.
     Allesamt sind sie jedoch Ausdruck der göttlichen Natur, die „bösen“ Gottheiten ebenso wie die netten, freundlichen. Allesamt sind alle alles. Schön und hässlich. Göttlich, teuflisch.
     Wie wir in die Materie Geborenen. Und wie die Göttlichen haben auch wir unterschiedliche Vorlieben und Veranlagungen. Ich kann nicht flöten wie eine Amsel, nicht säuseln wie ein Baum, kann dafür schreiben. Aber nicht so wie andere. (Nur) so, wie ich.
     Talente – sind sie evolutionäre Mutationen, Anpassungen an die Lebensumstände? Die einen gewiss, jene Fähigkeiten nämlich, die das Überleben sichern. Doch kulturelle Begabungen sind ja offiziell nicht lebensnotwendig. Es sei denn Seelennahrung zähle nicht nur für mich zum Survival-Kit. Sind unsere Talente Gaben der GöttInnen und wenn ja, wer hat sie gewählt und uns zugeteilt? Waren es wir selber, die wählten, damals, zwischen den Leben, als wir für unbestimmte Zeit GöttInnen ohne Leib waren? Wozu? Um auf diesem Spielplaneten zu experimentieren? Um Erfahrungen zu sammeln? Welche Verantwortung an ihnen kleben mag?
     Wenn Leben Saat ist, so ist logischerweise, was danach kommt – Sterben, Tod, Leere, Neuwerdung – Ernte? Und ist es die Ernte, die uns nährt? Ist Ernte Ausdruck? Was, wenn wir uns von der Saat nähren, sie verschlingen ohne zu säen ...
     Was dann?

 

Samstag, 2. Mai 2009

Verbotene Orte

Als ich gestern Nachmittag - endlich mal wieder - eine von Berns Buchhandlungen heimsuchte, blieb ich mitten im Gehen wie angewurzelt stehen. Den Blick auf ein rotes Buch geheftet, einen Freudenschrei samt zugehörigem Lächeln auf den Lippen. Jippiiee, Fred Vargas hat einen neuen Krimi geschrieben! 

Ohne dass ich es mitbekommen habe! Ja, ja, ich weiss, das Buch wird sicher bald in der Bibliothek stehen, doch es muss auch - balder als bald! - in meinem Büchergestell stehen! Teure Wochen! Kleiner Autoservice, kleiner Veloservice, kleiner Haarservice ... So kurble ich die Wirtschaft an, fördere KMUs ... :-)

Meine Woche war auch sonst sehr intensiv. Das Geburtstagsfest von M* - Expartner und Nochimmerfreund - am letzten Samstag machte total Spass, zumal ich versuchsweise auf jegliche Exzesse und Suchtmittel verzichtete. Keine Zigaretten - heute schon der 16. Tag! -, Hasch eh nicht, kaum Alk, nix Süsses. Und dabei festzustellen, dass ich alles viel intensiver wahrnehme. Ungefiltert, unmittelbar. Was sich einerseits total gut anfühlt, aber andererseits eben auch total anstrengend ist und mir einmal mehr zeigt, wieso wir diese Filter  zu "beNÖTigen" meinen. Als Schutz ...
     Alte und neue Leute treffen, gemeinsam diskutieren, lachen, essen, trinken - richtig schön wars! Doch so ohne Filter war ich hinterher noch erschöpfter als sonst nach Festen. Zumal es recht spät, will heissen, früh geworden ist. ;-)
     Dieses Reizüberflutungserlebnis passte perfekt zum Text an dem ich diese Woche gearbeitet habe. Am Text fürs nächste Spuren-Heft nämlich, an der Rezension eines Buches über Hochsensibilität. Als selber Hochsensible ein solches Buch zu lesen und darüber schreiben zu dürfen, finde ich kuhl. Ich nehme in diesem Kontext und ohne meine gewohnten Filter eh alles intensiver wahr. Wie gesagt, ziemlich anstrengend. Und ziemlich schön. Kein Wunder, dass ich diese Woche überdurchschnittlich viele ausgesprochen persönliche Gespräche geführt habe.

Tja, alles ist eben "sowohl - als auch" ... 

Mehr zum Thema Hochsensibilität ... hier klicken!

 

Donnerstag, 23. April 2009

Back to Work

Letzten Samstag kollerte es mir, wenn ich an die Rückkehr ins Büro dachte. Ich hatte keine Lust und noch so viel vor. Auch genoss ich meine neue Langsamkeit. Am Montag war ich erstaunlich motiviert.
     Wie schnell diese Tage vergangen sind! Donnerstagabend. Das bedeutet, dass wir bereits wieder Weekend haben. Und diesmal heisst es auch, dass mein Scheff für vier Wochen in die Ferien verreist. Doch seine Stv. und ich werden den Laden schmeissen. Nicht das erste Mal, wir sind ein eingespieltes Team. An sich mach ich das ja noch gerne und ich geniesse das Vertrauen meines Scheffs. Na ja, muss er wohl auch. Mir vertrauen, meine ich. Ja, ich fühle mich - gut erholt - wieder wohl an meiner Arbeitsstelle. Und in unserem Team.

Welche Rollen spielen wir? Spielen wir sie gerne? Oder würden wir, so wie ich hin und wieder, diese Haut nicht gerne mal abstreifen? Diese Rolle, die wir alle in Gruppen einnehmen, ist bei mir jene der Brückenbauerin. Ich werde über kurz oder lang in jeder Gruppe zu derjenigen, die vermittelt, die verschiedene Ansichten versteht, die zusammenbringt.
     In unser Bürouniversum übersetzt, heisst das, dass alles irgendwie bei mir zusammen kommt. Nicht bloss Geschäftliches. Die Leute kommen auch mal auf einen Schwatz zu mir. Oder, wie gestern, mit Liebeskummer. Oder mit diesem oder jenem Problem. Auch bekomme ich immer (fast) alles mit. Ob ich will oder nicht. Das Büro unseres Scheffs grenzt direkt an meins und wir haben die Türen meistens offen. Dieses Brückenbauerinnen-Talent ist bisweilen anstrengend. Es erfordert gutes Abgrenzen, was hingegen eher ein Anti-Talent von mir ist. Dafür eine gute Chance, es zu lernen!

Heute ist mein achter rauchfreier Tag! *miraufdieschulternklopf* Ich stelle fest, dass das Reissen in und hinter der Sucht, also dasjenige, das mit uns macht, dass wir Lust auf Zigi oder Schoggi oder Alk oder andere Suchtmittel haben, bei mir nicht grundsätzlich von innerer Leere oder Frust herrührt, sondern aus eine starken (An-)Spannung. Ich bin nicht wirklich gut im Runterfahren, stehe schnell unter Spannung. Verantwortungsgefühl klopft an, Perfektionismus. Du solltest doch noch ...  Vergiss bloss nicht, dass ... Puh ... Purer selbstgestrickter Druck!
     Mit Suchtmitteln löst sich diese Spannung vordergründig auf, ich entspanne mich scheinbar. Doch wirklich weg ist sie nicht.

Ich will endlich (m)einen Weg finden, diese Spannungen gesund abzubauen. Eigentlich bin ich da ja schon länger dran, wenn auch nicht wirklich konkret. Das Problem ist bloss, dass gesunde Wege wie Yoga undsoweiter Disziplin von mir verlangen, während Rauchen und anderes nichts von mir will. Mir allerdings auch nicht wirklich etwas gibt.
     Nein, verurteilen tue ich mich nicht. Hauptsache ich tue, was ich tue, bewusst und freiwillig. Rauchen oder Nichtrauchen. Und leben.

 

Freitag, 17. April 2009

Mein erstes Mal

Was für erholsame Ferien! Die perfekte Mischung von Gemeinschaft und kreativem und/oder kontemplativem Alleinsein. Kaum vorstellbar, wie mies es mir vor zwei Wochen gegangen ist. Jetzt fühl ich mich richtig neu und am liebsten hätte ich gleich noch länger Ferien ... Tja, wer möchte das wohl nicht?!

Vorgestern war ich mit einer Kollegin auf dem Jungfraujoch (Bilder: hier klicken) - mein erstes Mal. Ein Must für jede Schweizerin. Steht jedenfalls auf dem Prospekt, na ja, dort steht halt für jeden Schweizer. Wollte trotzdem mal hoch, zumal ich einen Vergünstigungsgutschein hatte. Die Jungfrau ist teuer.

Ein herrlicher Tag. Der letzte ohne Regen, hiess es im Wetterbericht. Strahlende Sonne, Bergvorfrühling ... Höher und höher fuhr die Zahnradbahn. 3454 M. ü. M. Oder so. Im Stollen durch den Eiger und den Mönch wuchs die Spannung ... Was wird mich oben erwarten?
     Na was wohl? Wolken! Nebel, Schneesturm ... tja ... Wirklich nicht so toll. Schade zwar um die schöne Aussicht, doch für mich kein grosses Drama. Was soll's? Ich genoss die Ausstellungen und das Touri-Feeling, das mir normalerweise ein Gräuel ist :-).

Gestern verbrachte ich einen herrlichen Weibertratsch-Tag bei meiner Freundin Melissa* und ihrer wunderbaren Patchworkfamily im Aargau. Nein, nein, kein Tratsch, viel mehr herzerwärmende Gespräche mit Tiefgang, Lachen, Kichern, Spielen. Abends Kino.

 

Dienstag, 14. April 2009

Ostern?


Mein A... tut weh!         Häh?

 

Sonntag, 12. April 2009

Neu

Fasten ist einfach toll. Ich habe mich schon lange nicht mehr so fit gefühlt. Ja, richtig: Fit. Ich bewege mich gerne und lustvoll, was im Alltag oft nicht der Fall ist. Fit und ganz. Klar und zufrieden.

Am Mittwoch war ich mehrere Stunden mit B.* im Könizbergwald unterwegs. Ist ja gleich um die Ecke. Bald wird sie wegziehen, meine liebe B.*, zu ihrem Freund. Der leider nicht gleich um die Ecke wohnt. So geniessen wir die Zeit, die uns Beinahe-Nachbarinnen noch bleibt.
     Den Donnerstag verbrachte ich lesend und auf dem Fahrrad - nicht gleichzeitig allerdings. Unterwegs war ich auch deshalb, weil unsere Haus-Waschmaschine das Zeitliche gesegnet hat. Friede ihrer Asche. Waschsalonerfahrungen hatte ich bisher kaum. Erinnerungen an meine Zeit in Frankreich tauchten auf. Hat irgendwie Spass gemacht. ;-)
     Karfreitag habe ich bei K.* und ihrer Familie verbracht. Wir haben im Hexengarten auf dem Liegestuhl Sonne getrunken und uns ein bisschen verbrannt und uns nachher im nahen Wald abgekühlt. Die Gespräche mit meinen Freundinnen und Freunden erlebe ich einmal mehr als wundervolle Schatzkiste, die mich nährt und glücklich macht. Jenen Hunger nährt, der nicht mit Schoggi gestillt werden kann.

Morgen werde ich das Fasten brechen. Breakfast. Irgendwie bedauere ich es. Die Freiheit des Fastens ist einfach wunderbar: Du musst nicht einkaufen, du musst nicht überlegen, was du kochen könntest. Du hast Zeit und Energie frei, die du sonst mit verdauen und dergleichen verbrätst.
     Durch das Fasten habe ich meine Mitte wieder gefunden und spüre gut, was ich brauche. Für die Aufbauzeit und die kommende Zeit (für mein Leben!!!) habe ich deshalb ein paar Vorsätze gefasst: Ich will weiterhin gut spüren, was ich brauche, welche Nahrung, im wörtlichen und übertragenen Sinn, mir gut tut ...
     Das Nichtrauchen habe ich noch nicht ganz geschafft, doch irgendwie habe ich Lust dazu. Was wohl  stärker ist? Der Wille oder die Sucht? Der Geist oder der Körper? Wer gehorcht wem?

 

Dienstag, 7. April 2009

Aufgetaucht?

Allmählich löst sich die dunkle Wolke in mir drin wieder auf. Die Sonne? Die lieben Mails und SMS von FreundInnen? Nicht nur, aber auch.
     Gestern war ich im Wald. Mein Lieblingsheiler. Auch das Fasten tut gut. Und natürlich die Ferien. Stille. Entschleunigung. Ruhe.
     Alles setzt sich und wird klar. Sogar, was weh tut, bekommt Kontur und wird dadurch erträglicher.

Der Ausflug ins Gartenzentrum ist für mich jeden Frühling neu ein Highlight. I love it.
     Wenn ich gemächlich durch die Gestelle gehe, stelle ich mir meinen noch imaginierten Garten vor. Sehe, wie ich Blumen und Gemüse anpflanze, wie ich jäte, wie ich ernte. Hach. Erinnerungen an den Garten meiner Eltern tauchen auf. Klein-Janaluna in der Gartenkluft. 

Meinen Balkon werde ich morgen bepflanzen, Lars' Gärtli war schon heute dran, es liegt ja auch gleich auf dem Weg.
     Warum ein Friedhof Friedhof heisst, weiss ich erst so richtig, seit ich regelmässig dort bin - immerhin schon bald (oder erst?) sechs Jahre. Der Name passt mir. Mein Lebenshof wird friedlich, wenn ich dort bin.
     Im Gartenzentrum habe ich einen Engel gefunden, der aussieht wie Lars. Ehrlich! Ich konnte nicht wiederstehen und nahm ihn mit. Er darf Lars' Grab hüten. Mit Schildkröte und Zwerg und all den anderen.

 

Freitag, 3. April 2009

Antidepressivum

Zum Tagwerk meines ersten Ferientages gehörte unter anderem das Bindenlassen der unzähligen gesammelten Ausdrucke von Büne Hubers Online-Tagebuch. Sechs wunderschöne, witzige, tiefsinnige, orignielle Patent Ochsner-Bücher habe ich nun. Sie bergen Alltagsstorys einer Band, Episödchen und Histörchen, Dramen und Highlights und natürlich die Entstehungsgeschichte der letzten CD. Beginnen tut es mit den Aufnahmen in Bern über das Mischen in Rom bis hin zum letzten Gig im Bierhübeli. Geil!

 

Freitag, 3. April 2009

Drei Wünsche #2

Nun hast du alles, was du dir gewünscht hast!, stellte die Fee lächelnd fest, nachdem ich mich, heil und glücklich wie noch nie, wieder gefasst hatte. Ich nickte selig. Sie beschrieb mit ihrem Stab einen Kreis.

Und was wünschst du dir denn so für die Welt da draussen?

Ich seufzte. Ach, ja, die Welt! Die lag mir natürlich ebenso am Herzen wie eine schmerzfreie Wirbelsäule. Ehrlich! Solche Fragen nehme ich wirklich nicht auf die leichte Schulter, die sich übrigens so leicht anfühlte wie noch nie. 
     Hing das Gewicht von globalem und persönlichem Leid denn nicht davon ab, wie wir alle die Welt wahrnahmen? Liess sich Schmerz messen? Worin bestand Leid wirklich? Ich grübelte vor mich hin und erkannte einmal mehr, wie wenig ich wirklich verstand. Mit dem Wegzaubern alles Schmerzhaften, würde – so ahnte ich – auch  dessen Gegenteil verschwinden. Meinen Erkenntnissen gemäss definierte und manifestierte sich alles durch seinen scheinbaren Gegensatz. Ich seufzte erneut. Könnte ich diese Frage doch bloss an kompetentere Menschen delegieren!

Liebe Fee, sagte ich endlich, wie wäre es, wenn das Pendel, das die Welt bewegt, das Gleichgewicht wiederherstellen würde. Mir scheint, die Welt habe Schlagseite. Seit so vielen Jahren, Jahrzehnten, Jahrhunderten schlagen wir Menschen die Kriegstrommeln. Es herrschte und herrscht Gewalt, Profitdenken. Wir nützen einander und die Umwelt aus, übervorteilen und unterdrücken andere. Im Grossen ebenso wie im Kleinen ... Wäre es jetzt nicht an der Zeit, das Pendel würde auf die andere Seite schlagen? Damit das Leben wieder lebenswert wird!
     Die Fee betrachtete mich noch immer lächelnd und wartete geduldig.
     Liebe Fee,
deine Frage, überfordert mich, gab ich schliesslich zu, denn was ich eben gesagt hatte, schien mir auf einmal sehr banal. Im Grunde weiss ich nicht, was wir wirklich, WIRKLICH!, brauchen. Ich brach ab und lächelte, denn plötzlich wusste ich es doch!
     Gute Fee, sagte ich, wäre es denn nicht das Beste, wenn du allen Wesen einen Blanko-Wunschscheck schenken würdest – genau so einen, wie ich ihn vorhin einlösen durfte?

Das Lächeln im Gesicht der Fee erlosch.
     Jedes Lebewesen, sagte sie mit dünner Stimme, ja, jeder einzelne Mensch bekommt zur Geburt einen solchen Blankoscheck. Unter uns gesagt sind sogar mehr als bloss drei Wünsche drauf. Die meisten werden von Kindern und von Behinderten eingelöst. Sie sind zumeist einfach und stecken voller Liebe und Mitmenschlichkeit.

     Doch kaum ein Erwachsener wagt es, den Scheck vollständig einzulösen. Wie du weisst, hat ein erfüllter Wunsch Konsequenzen. Viel lieber lösen die Menschen ihre Klageschecks ein, die auch zum Geschenkpaket gehören. Das ist einfacher und bequemer.

Wir seufzten gemeinsam.

Wünsche weise, es könnte sich erfüllen!, zitierte ich. Weisheit und Liebe, das brauchen wir doch am meisten, flüsterte ich vor mich hin. Wie dumm wir doch sind ... Die freie Wahl hätten wir ... Und was tun wir? Ich brach ab. Hatte ich nicht ebenfalls eine Klagescheck gezückt?

Die Fee und ich seufzten erneut.

Ich würde Euch gerne ein Happyend berichten, liebe LeserInnen, und davon erzählen, wie die Fee und ich doch noch die Welt gerettet haben.
     Ich muss passen. Meine Fee und ich gingen nach Hause und lebten weiter wie immer. In meinem Fall hiess das, so bewusst wie möglich, mit allen Auf und Ab. Auch wenn das nicht besonders kuhl ist.

Vielleicht ist alles sowieso ganz anders.

 

Samstag, 28. März 2009

Intermezzo II

Geduld, Geduld! Die Fortsetzung von "Drei Wünsche" liefere ich bald. Sonst noch Wünsche?

Dass Wünschen bisweilen funktioniert, habe ich gestern einmal mehr am eigenen Leib erfahren. Dies Wochenende geht die Rimini Flashdown I-Tournée von Patent Ochsner zu Ende. Wie gerne wäre ich an eins der letzten Konzerte gegangen, denn ich war bereits auf Entzug. Doch alle Bierhübeli-Konzerte waren ausverkauft. Wer von meinen FreundInnen wäre mit mir schon auf Geratewohl hingegangen - ohne zu wissen, ob wir Billette würden mischeln können? Bereits hatte ich mich damit abgefunden, dass ich nun halt nicht dabei sein würde, als meine Freundin B.* schrieb, dass sie zwei Tickets organisiert habe und mit ihrer Freundin E.* deshalb am Freitagabend dabei sein könne.
     "Komm auch, bestimmt finden wir noch ein drittes!" Gesagt - getan.
     Gestern Morgen hatte ich noch, oder wieder?, Fieber. Die Vernunft sagte: Hey, bleib zuhause. Die Übermut sagte: Ich will da hin.
     "Ich wünsche mir ein Ticket!", schrieb ich auf einen bunten Papierbogen und damit standen wir - früh genug - vor dem Bierhübeli. Jaaa, E.* hatte die richtige Nase und ich bald mein "Billié". Wir betraten die heiligen Hallen und schon bald schmolzen wir, in vordester Reihe, dahin. Zwar war Bünes Engelsstimmchen angeschlagen, doch der Stimmung im Saal tat dies keinen Abbruch. Wir alle sangen umso lauter mit. Oder hörten uns Storys - wie diese hier (aus Chur) - an. (Link zu "You Tube").
Auch das Publikum war genial!

Tja, die Faszination oder das Phänomen Ochsner - wie kann ich das erklären? Ist es die Authentizität dieser Band? Sind es Sprachwitz, Übermut, Humor, gepaart mit Bünes kritischem Blick auf die Mitwelt ... Sind es die Texte, die Kompositionen?
     Ja, das alles, von allem etwas. Aber noch mehr ist es wohl die Begeisterung, mit der Ochsners, vorab Büne, ihre Musik performen. Begeisterung, die echt ist, nicht frei von Selbstzweifeln, so urmenschlich. Auch ist das alles, wie überall, mehr als die Summe der einzelnen Teile. Vielleicht schafft Büne durch seine Natürlichkeit für mich, für seine Fans, eine Identifikationsfläche?
Brauche ich Helden?
     Lacht ruhig, aber für mich ist so ein Gig mit Ochsners eine geradezu "heilige Handlung". Ich werde dabei ganz mich, ganz Körper, ganz Stimme, ganz Schwingung, ganz Lachen und ganz Genuss. Ganz Gegenwart. Was will ich mehr und was gibt es Heiligeres?

Ach, übrigens: Das Fieber ist weg. Dafür bin ich, wen wunderts?, heiser! :-)



Mittwoch, 25. März 2009

Intermezzo I

Luisa Francia liest in Bern? Klar komme ich!                                           Dann das Déjà-Vu ...

Wie letztes Mal, als ich an eine Veranstaltung von Luisa wollte, hatte ich auch diesmal wieder, es war Montagnachmittag, einen Fieberschub. Wie angeworfen. Nein, da kann Luisa nix dafür.
     Meine Stimmung wars. Die hat sich in den letzten Tagen mal wieder verdüstert. Winterrückkehr? Obwohl meine Lebensumstände sich ansonsten gut anfühlen und mir die Arbeit Spass macht. Auch hatte ich sehr gute, wertvolle, intensive Begegnungen mit feinen Menschen. Und ich hatte auch sehr intensive Schreibzeiten.

     Woher dann dieses Tief, dieser Blues? Der aktuellen Intensität meines Innenlebens wegen? Vielleicht. Oder einfach ein atmosphärisches Tiefdruckgebiet? Auch möglich und ohne 'entweder oder'. Mitten hinein in diese Seelengezeiten gesellte sich also am Montagabend das Fieber. Am Nachmittag begann es mit Kopfweh, schweren Gliedern. Doch trotz Fieber fuhr ich - allerdings nicht mit dem Velo wie sonst - in die Stadt und genoss die Lesung.
     Gemeinsam mit den anderen ZuhörerInnen habe ich gelacht, mich gewundert und mich bezaubern lassen, habe sinniert und philosophiert. Mit einer warmen Umarmung von Luisa im Herz und einem wunderbaren, signierten Buch in der Tasche verliess ich mit meinen Freundinnen schliesslich die Buchhandlung.
     Das neue Buch? Eines der schönsten aus Luisas Sortiment! Ein Kunstbildband? Ein literarisches Werk? Ein Zauberbuch? Ein Sachbuch über Heilkräuter? Nicht 'entweder oder', sondern 'sowohl als auch'!

     Ich gönne mir jeden Tag vor dem Einschlafen ein paar Seiten dieser wunderbaren Seelennahrung. Medizin fürs Herz.

Mein Fieber ist heute Nachmittag, im Büro zurückgekehrt. Gestern blieb ich zuhause und pflegte mich. Es will meine Aufmerksamkeit auf den Rückzug richten und drum bleibe ich auch morgen zuhause. Schüttelfrost und Schweissausbrüche wechseln sich ab, das Hirn ist weich und die Gedanken verlangsamt. Auch gut. So habe ich Zeit, mich meinen beiden* in den letzten sieben Tagen erhaltenen (signierten) Büchern zu widmen. Und natürlich dem Schreiben.

  
*Mehr zu "Weidenfrau und Wiesenkönigin" von Luisa Francia
*Mehr zu "Bis ans Ende der Meere" von Lukas Hartmann

Aufmerksame TagebuchleserInnen haben sicher gemerkt, dass der Titel von Lukas' Buch schon mal irgendwo auf meinem Web-Tummelplatz vorkommt. Nur wo?
     Guckt hier ... das ist übrigens auch der Grund, warum mir Lukas das Buch geschenkt hat, auch wenn er von alleine auf seinen Buchtitel gekommen ist ...
     Wenn ihr mich also sucht, segle ich womöglich grad mit James Cook und John Webber irgendwo in Hawai'i herum. Oder in der Beringstrasse? Zum Glück nur vom Sofa aus.

 

Freitag, 20. März 2009

Drei Wünsche #1

Hier! Ein Blankoscheck für drei Wünsche, sagte die Fee, die mir im Wald über den Weg lief, und drückte mir den Wisch in die Hand. Er fühlte sich federleicht an. Ich zwinkerte, doch die Fee stand noch immer da.
     Ist der für mich?, fragte ich.
     Ja, ganz persönlich, nicht übertragbar. Ohne Kleingedrucktes!
     Das mir das noch passieren darf! Na ja, ein paar Wünsche habe ich vielleicht doch, obwohl ich mit dem Wünschen ansonsten so meine liebe Müh' habe.
     Also gut, liebe Fee, sagte ich nachdem ich mir über meine Bedürfnisse klar geworden war, ich wünsche mir für meinen Körper, dass sich die Wirbelsäule streckt, so dass die zerquetschten Bandscheiben sich regenerieren können und ich meine Rückenschmerzen für alle Zeiten vergessen kann.
     Zweitens wünsche ich mir, dass ich sowohl in die Weite als auch in die Nähe wieder super sehen kann. Brille ade!
      Und drittens ..., ich zögere, denn dieser Wunsch ist eigentlich der erste, der Herzenswunsch meines Lebens. Ich stottere ein bisschen. Drittens wünsche ich mir, dass alle alten Lasten, Wunden und Muster von mir abfallen, dass sie so verheilen, dass sie meinen Alltag nicht mehr blockieren und ich dem Leben neu und voreingenommen begegnen kann.

Aha, sagte die Fee, du wünschst dir also Heilung! Gut. Ist das alles? Sie lächelte und tippte mit dem Zauberstab auf meinen Scheck, der sich sofort - einen wunderbaren Duft  verströmend - in Luft auflöste.
     Ich richtete mich zu meiner vollen Grösse auf, riss mir die Brille von den Augen, weil sie zu stark für meine neuen Augen war und starrte blinzelnd auf die winzigen Ameisen, die den Waldweg überqueren. Dabei fühlte ich mich so frei und leicht wie nie zuvor. Wow! Es haut hin!

Danke! Ich stotterte noch immer, zu unbegreiflich war das eben Erlebte.
     Ja, das ist alles, liebe Fee. Heilung ist für mich ein Ausdruck von Liebe zu mir und Liebe zu allem. Alles ist vernetzt. Wenn es mir gut geht, geht es auch meiner Umgebung besser. Alle und alles hängen doch zusammen. Schau, genauso wie diese Spinnweben dort drüben mit dem Baum vernetzt ist. Und der Baum mit den Mäusen unter seinen Wurzeln und die Mäuse mit den Katzen im Dorf und die Katzen mit den Menschen und die Menschen ... 
     Meine Gedanken wirbelten mich ziemlich durcheinander, Grosses wird klein und Kleines wird gross. Und überhaupt, wer sagt denn, dass es so ist und nicht anders?

(Fortsetzung folgt)

 

dienstag, 17. märz 2009

anders?

Bin umzingelt
von Bildern
Sätzen
Ratschlägen
Lebensweisheiten
Rezepten
von Erkenntnissen sogar
eingeschränkt
begrenzt
Was, wenn alles
ganz anders
ist?

by janaluna/17.3.09

 

samstag, 14. märz 2009

Neue Altlasten

Heute war mal wieder Haushalten und Entsorgen angesagt, da unser Treppenhaus nächstens zu den gutbürgerlichen gehören soll. Will heissen: Keine Schuhe mehr, keine leeren Blumentöpfe mehr. Weder alte Velos noch Müllhalden im Keller. Nächste Woche wird alles aus Treppenhaus und Keller entsorgt, was die Fluchtwege – und die Putzequipe – stören könnte. Na ja. Kinder, die mit dem Bade ausgeschüttet werden, mochte ich noch nie. Und gutbürgerliche Machtdemos auch nicht. Ausserdem wird die angekündigte Grundräumung vermutlich zu den jährlichen Nebenkosten gerechnet. So beschloss ich, die Gunst der Stunde zu nutzen und ein paar Altlasten aus meinem Keller zu den bereits zugemüllten Nischen im Keller zu stellen. Wenn schon, denn schon. Danach war ich mit weiterem Kleinkram, darunter etwa zwei Zentner Bücher, im Brockenhaus. Und bin eine halbe Stunde später mit neuen Altlasten (= ein paar Bücher und so) nach Hause gefahren. Tja. Die Katze kann das Mausen nicht lassen. Oder nennt sich das wohl "alles fliesst"?

Die Plattentaufe von Claudes CD „Wing by fin“ gestern in der Alten Kaserne in Winthi war sehr schön und sehr berührend. Anschliessend mit Salomé* im Tibits austauschen bis der letzte Zug fuhr, ebenfalls.
     Ansonsten schreibe ich. Schreibfiebrig geradezu. Mein Romanmanuskript "Loch im Eis" ist in seiner Rohform gestern geboren worden. Geiles Gefühl. Heute und morgen will ich die erste Überarbeitung wagen.

Dass Schreiben eine Art Altlastenumwandlung ist, begreife ich immer mehr. Jedes Schreiben ist letztlich autobiografisch. Und zu jeder Biografie gehören eben alten Lasten. 
     Wer unter euch keine hat, bitte melden!

Link zu Claude Jaermanns CD: hier klicken!

 

donnerstag, 12. märz 2009 - Nr. 1

Hast du Zeit?

Zeit I

Arme Uhren
am Band
fressen
messen die Zeit
tun linear
kommen nie an
drehen durch

***

Was tut sie denn, meine Lebenszeit, und wie? Randvoll gefüllt mit Kreativität und meiner ureigenen LebensArt (= Kunst?) ist sie. Ein voller Brunnen.
     Tja. Während andere einen schönen langen kreativen Schlauch haben, wo das Wasser vorne raus kommt und sie so, zielgerichtet ihre Pflänzchen wässern, hat mein Schlauch überall kleine Löcher. Das Wasser der Kreativität sickert überall heraus. Nein, das ist weder besser noch schlechter. So wässere ich eben an verschiedenen Orten: Da ein Poem, dort ein paar Kurzgeschichten, daneben ein paar Wortspiele, und dort drüben ein Artikel über das Glück. Überall grünt es. Ein bisschen jedenfalls.
     Mein Manuskript „Loch im Eis“, ist diese Woche um mindestens zehn Manuskriptseiten gewachsen. Gutes Gefühl. Ob es Unkraut oder Kraut ist, spielt noch keine Rolle.
     Dazwischen fresse ich Buch um Buch. Neulich den Thriller von Petra Hammersfahr, „Die Mutter“. Lesezeit, will heissen Bücherfressen, ist für mich jene Zeit, in der ich meine Alltagszeit verlasse, eine Art neutralen Raum ausserhalb der Zeit betrete. Schreibzeit ist ihr sehr ähnlich.
     Und, ja, ich bin süchtig nach dieser Zeit neben der Zeit.

***

Zeit II

Arme Uhren
umbanden
den Puls
ungefragt

***

Nein, ich trage keine Armbanduhr! Und, ja, ich kann die Zeit sehr gut schätzen, bin selten mehr als eine Viertelstunde daneben. Ausser ... ja, natürlich, ausser wenn ich lese. Da ist es plötzlich halb zwei Uhr nachts, obwohl meine innere Uhr erst elf oder halb zwölf Uhr anzeigt.  Was ist nun wirklicher?

***

donnerstag, 12. märz 2009 - Nr. 2

Kreise

Fronten mag ich nicht
mag keine Reihen
die sich gegenüber
stehen
gegen über
habe ich über
satt
das Vergleichen

Kreise mag ich
kreisen auch

weder
Anfang
noch Ende

 

donnerstag, 5. märz 2009

Warum? Warum nicht?

Gewohnheiten haben einen schlechten Ruf. Der Alltag ebenfalls, der mit seinen täglichen Gleichförmigkeiten auf den ersten Blick grau in grau aussieht. Warum eigentlich?
     Ist euch schon mal aufgefallen, dass wir in neuen Situationen und wo immer wir hinkommen, so schnell wie möglich ein gewohntes Muster suchen? Steigen wir ins Wasser, suchen wir in den ersten Schwimmzügen nach der bekannten und vertrauten Bewegung, setzen wir uns in ein Boot, suchen wir rudernd nach unserm Rhythmus. Selbst wenn wir den Bus oder Zug besteigen, setzen wir uns so hin, dass wir uns irgendwie behaglich und wohl, will heissen vertraut, fühlen. Wo immer wir sind, finden wir uns in eine vertraute Haltung ein. Selbst unter schwierigsten Umständen suchen wir Vertrautes.
     Warum auch nicht?
     Ge-WOHN-heit riecht nach wohnen, nach vertrautem Sein. Na also, da mögen wir doch!
Für unsere Lebensqualität mag es letztlich nur entscheidend sein, mit welchem bewussten Sein wir tun, was wir tun. (Natürlich, auch die Inhalte sind für unser Lebensgefühl wichtig, keine Frage ...)
     Und so schlägt also das innere Pendel aus, wenn wir uns in eine neue Situation begeben und es kommt wieder zur Ruhe, während wir unsere Mitte finden. Wie ein Musikstück, das seine Tempi wechselt. Offenbar schafft Gewohnheit Ruhe. Sie ist unsere innerer verkannte Taktgeberin.

 

mittwoch, 4. märz 2009

Kommt es auf NICHTS an?

Alle scheinen sich vor langen Texten zu fürchten! Auch ich ... wenn ich lange Mails, Tagebuch- oder Forumeinträge schreibe. Kürzen ist das Zauberwort! Kurz und bündig! Wir fürchten uns davor, andere vollzutexten und zugetextet zu werden, sind getrimmt auf knapp und knackig. Wer liest schon gerne lange Texte?
     Tja, eine der vielen Erscheinungen der Internetwelt, der Bildschirmwelt. Natürlich, ich lese auch nicht gerne lange Texte am Bildschirm. Lange Mails drucke ich mir aus. Dennoch, das Schnelllesen und Kurzschreiben ist doch symptomatisch für unsere Zeit: Alles muss schnell gehen. Wozu eigentlich? Für Wichtigeres, natürlich!
     Dabei besteht doch ein mögliches Geschenk, das ich einem anderen Menschen machen kann, gerade darin, dass ich ihm meine Ze
it schenke, indem ich ihm oder ihr einen Brief schreibe – oder meinen LeserInnen einen Tagebuch-Eintrag schenke, einen Input, ein bisschen schriftliche Zuwendung ... Wenn sich Menschen Zeit für einander nehmen, einander ihre Zeit verschenken, ist das ein bisschen wie schwimmen gegen den Strom, stärkend. Ein paar Seelenvitamine für unsere Gesundheit.
     Unsere Gesellschaft krankt an dieser Hektik. Unter anderem. Und ich gestehe es, auch ich bin infiziert von diesem hektischen Virus. Ob ich mich deshalb so über Briefe freue? Wenn ich mir die Zeit nehme, sie genüsslich zu lesen, tun sie besonders gut!
     Zeit? Zeit, mal wieder nichts zu tun? Z
eit um ein bisschen im neuen Zeitpunkt (Nr. 100) zu schmökern. Und Geni Hackmanns Kolumne lesen (hier klicken > PDF)!

 

samstag, 28. februar 2009

Von eleganten Igeln und dem Zauber von Worten

Ich habe ein Buch gelesen, das mich - mehr als kaum ein anderes - zutiefst berührt hat. Eine Geschichte voller Weisheit, Schönheit und Poesie. Und herzlicher Zuneigung. Liebe. Benommen klappte ich das Buch nach den letzten Zeilen zu. Benommen wie nach einem schönen Film, wenn ich das Kino verlasse.

In diesem Buch bin ich erneut mit einer möglichen Antwort auf die Lebenssinnfrage in Berührung gekommen: Leben um der Schönheit willen, Schreiben um der Schönheit willen. Leben um des seelischen Nährwertes von Schönheit willen?
     Wir alle sehnen uns nach Schönheit und leben doch so ganz anders, mit so wenig Wertschätzung. Dennoch, ich bin glücklich darüber, die vielfältigen Formen von Schönheit zu sehen ... In der Natur ebenso wie im Erschaffenen, in einem Text, in einem Bild.
     Hinter dem Bewahren und Bauen von Scheinwelten – vom perfekten Make-up bis zum Einfamilienhaus mit Doppelgarage – ahne ich diese Sehnsucht, die Sehnsucht nach Harmonie. Doch wo Schönheit für das Publikum, den Applaus und die Verkaufszahlen gemacht wird, nährt sie nicht wirklich. 
     Die Rose blüht nicht um meinetwillen, die Sonne geht nicht um meinetwillen so in dieser Pracht, die mir Tränen in die Augen treibt, unter und ein kleines Kind singt nicht seine wunderschönen Lieder, um zu gefallen (höchstens sich selbst, weil es sich schön anfühlt). Dennoch nähren uns solche Augenblicke mehr als alles andere – ganz nebenbei. Denn kaum sind sie da, sind sie vorbei.

Das ist für mich wahre Schönheit.

Und genau darum geht es in diesem Buch, das in einer Sprache geschrieben ist, die nährt. Und um das Leben von Menschen, die anders sind als die anderen.

 

montag, 23. februar 2009

Feier-Tag

Heute im Milchkasten ein Paket gefunden!
Ta-ta-ta-taaaaa!!!
... meine Belegexemplare unseres Gemeinschaftswerkes: Zehn mal Feier-Tage! 


>>> ein Klick zum PDF und ...

Zum bestellen: Hier klicken!
 

... zu meinen Geschichten!
auf Seite 66: "Hinter dem Horizont"
auf Seite 114: "Jenseits des Nebels"

 

montag, 23. februar 2009

In eigener Sache: Wegen des Wechsels zu einem anderen Webhosting-Anbieter war diese Website einige Tage unterbrochen! Nüt für unguet!

Mein privater Webhoster hat sich leider verabschiedet: Danke, Michael R. für deinen jahrelangen tollen Support und alles Gute für deine neuen Projekte!!

 

donnerstag, 19. februar 2009

Pokerface

Spielen wurde mir in die Wiege gelegt. Immerhin etwas, wofür ich meinen Eltern ewig dankbar sein werde. Oft haben wir gespielt, mit Karten vor allem, oder auch Würfelspiele undsoweiter. Am meisten Rommée, dass damals noch niemand kannte. Und Jassen den Schieber zu viert mit undenue-obenabe oder den Bieter, zu dritt. Meine Mutter nannte es später den Laferijass, da wir das gemeinsame Spiel, diese ungefährliche Form des gemeinsamen Zu-Tische-Sitzens nutzten, um beiläufig mit den Eltern ernsthafte Gespräche zu führen, die angesichts der Spiel-Atmosphäre ihren Ernst verloren. Denn am Tisch sitzen und einfach nur reden, das kannten wir nicht.
     Ein kleines Déja-Vu überkam mich, als ich heute Nachmittag meinen Göttibuben Janus* und seinen Vater M.* - notabene einer meiner Exe, wie langjährige MitleserInnen wissen - besuchte. Erst als wir am Pokern waren, wurde das Gespräch spannender. Seltsamer Mechanismus.

Ich pokere selten. Und wenn, dann immer mit diesen beiden oder auch mit noch andern Mitspielenden. Da ich schlecht bluffen kann, pokere ich auch im Alltag selten. Doch heute - und ich weiss nicht so recht, ob ich darauf stolz sein soll - habe ich geblufft wie noch nie! Habe einfach immer weiter geboten. Irgendwann stiegen die anderen zwei aus und ich sahnte mit purem Nichts den Pot ab. Der Clou: In jeder anderen Runde vor- und nachher hatte ich die besseren Karten hatte als in dieser Siegerrunde. (Was will uns das sagen, meine Lieben?)
     Als wir ganz am Schluss, angeführt von M.* und offensichtlich von meinem Vorbild inspiriert, "all in" boten, war mein Einsatz für mich ein Spiel, obwohl meine Karten nicht schlecht waren. Auf den Tisch gelegt, zeigten sie: Das beste Blatt hatte ich! In den Jetons baden konnte ich zwar nicht, doch nur schon in der gewonnenen Fülle zu wühlen, war für einmal doch irgendwie beglückend. Soviel zu meiner ach so unmaterialistischen Lebenseinstellung! Wie ich schon sagte: Ich habe schon immer - und schon immer gerne - gespielt. Doch vielleicht sollte ich auch in real ein bisschen mehr riskieren?

 

samstag, 14. februar 2009

Valentin und die anderen

Ich mag sie nicht, diese Tage, wo wir staatlich verordnet stattliche Blumensträusse und andere Grüsse verschicken und verschenken sollen. Ich mag weder Valentin noch Christkind.
     Ich mag dafür Tage mit Daten wie solchen: Freitag, der 13te. Deutungen gibt es viele, die sagen, weshalb diese Kombination Unglück bringen solle.
     Meine Theorie: Im ursprünglichen matriarchalen Mondkalender wurde das Jahr mit seinen 13 Monden gefeiert (das Jahr hat auch jetzt noch 13 Monde!). Mit Einführung des 12.-Monate-Kalenders wurde die Zahl 13 suspekt. Der Freitag, der Göttin Freya geweiht, einem nichtchristlichen Relikt aus der matriarchalen Zeit, war ebenfalls suspekt. So suspekt wie eben das Weibliche innerhalb des Patriarchates ist. Ob meine Theorie stimmt? Sie ist so wahr und so unwahr wie jedes Mythos, nehme ich mal an. Unglück gebracht hat mir bisher weder die 13 noch der Freitag. Glücks- und Unglücksbringer machen wir in unseren Köpfen. Meine Meinung, wohlverstanden.

Männer und Frauen: Ergänzung, komplementär? Hach, eines meiner Lieblingsthemen. :-)
     Nachdem ich gestern Abend die neugegründete Sing&Trommel-Gruppe in Murten doch noch gefunden habe, wir lange und kraftvoll spirituelle Lieder gesungen und dazu getrommelt haben, diskutierten wir, Tee trinkend, angeregt über die Genderfrage. 

Sind wir tatsächlich Opfer der gesellschaftlichen Definition unserer jeweiligen Geschlechtszugehörigkeit? Sind wir Frauen Opfer der gewaltausübenden Männer, sind die Männer Opfer der emanzipierten Frauen? Wir sind nur dort Opfer, wo wir die Opferrolle anziehen! Ich glaube an die Ergänzung, an das Sowohl-als-auch (jaja, ich weiss, das habe ich hier schon oft geschrieben ...). Es ist Zeit, dass wir uns neu definieren!

Singenderweise wurde mir einmal mehr bewusst, was ich wäre ohne die anderen. Natürlich, auch Soli sind hin und wieder schön. Doch gemeinsamer Gesang, das Gewebe des Kollektivs, jede und jeder mit seiner persönlichen Klangfarbe ist doch einfach unübertrefflich! 

 

dienstag, 10. februar 2009

Wohl

Vier gewichtige Buchstaben! Jawohl!

Mir ist wohl. Ich sorge gut für mein Wohl. Wohlstand? Jawohl, ich stehe wohl. Und ich liege auch wohl(ig), will heissen, ich schlafe zurzeit sogar gut  ... 

Die letzten Tage waren geruhsam  und aktiv zugleich - die perfekte Voraussetzung für Wohlgefühl bei mir, jetzt jedenfalls. Ich war mit Cs.* im Zauberwald, mit C.* im Kino ("Slumdog Millionaire"), habe an meinen Texten gewoben, Peter Stamm gelesen und abgehängt. Und ich war heute mit K.* im Hammam ... aaahhh!
    Und, ja, gearbeitet hab ich zwischendurch auch, und auch da ist es mir ... na? Was wohl? Wohl, genau!
    Na ja, gestern hatten wir zwar alle bisschen den Vollmond-Blues (nein, nich
t den Wohlmondblues!). Kann vorkommen. Trotzdem ist mir wohl in meinem Leben, in meinem Team, mit meinen FreundInnen ... und auch mit mir. Und ich will das weder in Frage stellen noch sonst wie demontieren. Selbstverständlich ist es nicht, drum will ich es einfach zulassen, geniessen und mich darüber freuen.
    Es ist ein 'Mir ist wohl!', trotz der Winterkälte, dem Schon-wieder-Schneefall, trotz der kalten Velofahrt nach Hause, ohne Regenschutz durch den Schnee  ... 
     Bin glücklich mit und bei mir ... Doch, das gibts. 

Jetzt.

 

samstag, 31. januar 2009

Mittelweg

Im neuen "Natürlich" hat sich der Carte Blanche-Kolumnist Thomas Widmer sympathisch über den "Mittelweg" geäussert - über das Wegkommen von Extremen, die er früher vertreten hatte. Ob es wohl am Alter liegt, am mittleren, das ich mit ihm teile? Denn ich kann umfassend unterschreiben, was er da geschrieben hat? Nein, ich wiederhole seinen Text hier nicht. Kauft einfach die Natürlich-Nummer 2-2009 und schlagt Seite 82 auf.

Extreme Positionen - die haben Potential. Politisch, ökologisch oder auch zwischenmenschlich können sie aufrütteln. Sie können provozieren, sie können andere dazu bringen, ihre Perspektiven zu überdenken. Wie habe ich doch früher Fleischessende provoziert! Karnivoren war mein Lieblingswort, eines der harmloseren noch (Kadaverfresser verwendete ich nur bei ganz Hartgesottenen und muss es mir gelegentlich heute noch - als Retourkutsche - anhören). 
    Ja, noch immer bin ich überzeugte Vegi und noch immer leide ich, wenn ich über die Fleischindustrie nachdenke, an Tiere vor der Schlachtung. Noch immer leide ich an latentem Brechreiz, wenn ich durch eine Fleischabteilung gehen muss und noch immer bin ich mir bewusst, wie viel Leid durch Gier entsteht. Nicht nur durchs Fleischessen.

Aberrrrr?

Habe ich resigniert? Gehe ich möglicherweise nur bewusster mit meiner Energie um? Oder sind das bloss Ausreden?
    Ich kann die Welt nicht allein ändern. Aber ich kann da, wo ich bin, Verantwortung übernehmen. Und ich kann auch anfangen, geniessen zu lernen.
    Denn das Leben ist auch schön, nicht nur Leid und Anstrengung.
    Den Personalanlass am letzten Donnerstag habe ich zum Beispiel sehr genossen. Den Grappa zum Schluss ebenso wie die vielen Begegnungen und guten Gespräche. Auch den Prosecco und das Pilzragout. Nur den Applaus, den ich - fürs Organisieren und überhaupt, für meine Arbeit - erhalten habe, nicht so ganz. Na ja. Wertschätzung anzunehmen, ob das wohl lernbar ist auf meinem Mittelweg?

 

dienstag, 27. januar 2009

"Süchtig?"

Gestern vor dem Einschlafen - kurz bevor ich in die Traumwelt eintauche - war ich wieder Kind. Vorschule oder Unterstufe. Ich war ganz. Lebendig. Tanzte und  sprang durch den Sommer, drehte mich mit einem anderen Kind im Kreis. Willkommener kleiner, ekstatischer Lachrausch - wie dankbar ich bin, solche Erinnerungen haben zu dürfen! Lachen und mich bewegen können, berauscht vom Leben im Jetzt. Wie es nur Kinder können. Und wonach das  Menschenkind, ist es erst ausgewachsen, sich ein Leben lang sehnt: Nach diesem exzessiven und doch so unschuldigen Rausch. Kann sein, dass alles, was nachher kommt, Suche ist. Nachahmung, Sehnsucht. Sucht?

"Süchtig" lautet denn auch der Titel einer österreichischen Anthologie, die ich in der letzten Zeit Häppchen für Häppchen als Bettlektüre eingenommen habe. Irgendwo zwischen literarischen, witzigen, bösen, sozial-medizinischen, grotesken, tragischen und ironischen Beiträgen fand ich eine Definition (von vielen): Veränderung der Wahrnehmung, Dosissteigerung und Entzugserscheinungen seien die Hinweise für Sucht.
     Schön, dann bin ich ja g
ar nicht süchtig! Weder nach Schoggi noch nach Tabak, denn die verändern mein Bewusstsein NICHT (oder doch?). Auch die Dosis bleibt sich immer in etwa gleich. Na ja, das mit den Entzugserscheinungen ist hingegen ein anderes Kapitel. (Ihr wisst schon ... Keine Details ...)
     Mir wurden lesenderweise einmal m
ehr die vielen Gesichter des ganz normalen menschlichen Wahnsinnes  bewusst, zumal das Thema bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit ad absurdum geführt wurde. Die AutorInnen beleuchteten selbstverständlich auch (möglichen) Ursachen für Suchtverhalten von verschiedensten Seiten, mehr oder weniger überzeugend. Ob das Buch lesenswert und empfehlenswert ist? Ja, nein, hm, doch schon ... Weiss nicht. Selber testen! Süchtig macht es auf alle Fälle nicht. Und um der Perlen Willen lohnt es sich.

Es ist wohl im Menschen drin, dass wir uns hin und wieder nach veränderten Wahrnehmungszuständen, nach erweitertem Bewusstsein sehnen. "Anderes" Fühlen und Sehen reizt uns. Grenzen locken.

Wer unter uns ohne Sucht sei, werfe die Fernbedienung. (Wahlweise auch die Bierflasche, die Pralinéschachtel, den Computer ...)

 

sonntag, 18. januar 2009

Föhn

Es ist Abend. Soeben bin ich aus dem Wald zurückgekehrt. Habe den inneren Sauhund überwunden und bin nach einem Schreib-, Föhn- und Tauwetter-Regensonntag dem Ruf gefolgt.

Ob ER mich gerufen hat?  An einen Baum gelehnt, ganz in der Nähe unserer Feuerstelle, wo wir vier Frauen gestern ein Ritual gefeiert haben, sah ich IHN.
     Ganz still stand ich da. Genoss es, nicht frieren zu müssen, wie in der letzten Zeit ständig. Genoss das Rauschen des Windes in den Bäumen und den Tanz der Baumkronen, jener alten Baumspitzen, die sich rhythmisch in den Wind legten. Genoss es, dass es so fein roch, genoss auch wie es roch und wie die Luft mein Gesicht liebkoste. Ein Moment Glückseligkeit. Einfach so.
     Und dann sah ich ihn. Eine kleine Bewegung, die meinen Blick anzog. Wir sahen uns an. Er stand still und nahm Witterung auf. Ging ein paar Schritte in meine Richtung, blieb wieder stehen, den Blick zu mir gewandt. Schliesslich ging er weiter. Kurz inneh
altend, zu mir blickend, um gleich darauf wieder weiter zu gehen, umkreiste er mich aus sicherer Entfernung. Bis er irgendwo im Dunkel des Waldes und in der Helligkeit des Schnee aus meinem Blick verschwand.

Danke, Bruder Fuchs, für diese Begegnung. 

 

donnerstag, 15. januar 2009

Einfach mal nix

Worüber soll ich heute bloss schreiben? Hier meine ich. Ich sollte doch mal wieder ... und ich will ja auch, doch mir will partout nix einfallen, so sehr ich auch an den Fingern sauge.
     Dass ich vom Schnee langsam die Nase voll habe, obwohl er - zugegeben - im Licht der Sonne wunderschön aussieht. Sogar in Stadtbern, wo die Nebeldecke seit Tagen offen ist. Darüber schreiben ist langweilig, drum lasse ich es. Auch weil es alle tun, über das Wetter reden, meine ich. Zugegeben, das Wetter ist ungefährlich, das Reden und Schreiben darüber zumindest. Rutschgefährlich wird es erst, wenn wir uns aufs Glatteis begeben. Vor Unfällen wird gewarnt! ... ob links oder rechts, passt einfach gut auf, Leute!
     Ob ich über die Arbeit schreiben soll? Na ja, ist auch nicht wirklich spannend, alles wie gehabt. Kuhles Team, abwechslungsreiche Arbeit. Manchmal zuviel, manchmal grad genug. Ab und zu Stress, dazwischen Lachen, gute Gespräche, Sorgen, Freuden ... also ... auch nicht wirklich spannend. Alltäglich.
     Und über Politik und Finanzkrise, von Gazastreifen und dergleichen mehr reden wir tagtäglich in der Znünipause. Bedarf also gedeckt, Lösungen habe ich eh keine.
     Und, nein, über das
Schreiben schreiben, über meine Schreibereien, Spinnereien, Buchstabenwebereien mag ich auch nicht. Bin in Brutstimmung und während dieser soll nicht getratscht werden. Nur gebrütet. Ich schweige.
     Auch über eine neue Liebe werde ich nichts schreiben. Und auch nicht über meine tollen Freunde und Freundinnen. 
     Also gut: Heute werde ich einfach nichts schreiben. Weder über Alltägliches und etwaige Erkenntnisse, noch über Erlebnissen und auch nicht über andere Seelenstrips. Und ich erzähle euch auch nicht, dass ich herausgefunden habe, dass ich auf dem Wasser
(in Schneeform) gehen kann*! Ohne zu ertrinken, ähm, zu versinken. Das hätte ich nie gedacht, echt wahr!

Einfach nix werde ich heute schreiben. Auch mal gut.
___________________________
*einmal ist nicht keinmal!

 

montag, 12. januar 2009

Im Jura - ob "Le Noiremont" - Sonntag 11. Januar

 

samstag, 3. januar 2009

Über den Wolken

R.s* Idee, zu Anfang des neuen Jahres ganz viel frische Bergluft einzuatmen, fand ich wunderbar. Dicke Nebelsuppe in Bern, so dass die vorsorglich ins Handschuhfach gelegte Sonnenbrille vorerst nicht zum Zuge kam. Thun war so neblig wie Bern und selbst die Beatenbuch sah alles andere als gemütlich aus. Dicker Nebel. Eisige Kälte. Einzig die Webcam vom Niederhorn nährte unsere Hoffnung auf ein paar Sonnenstrahlen. Wir glaubten ihr und quetschten uns in die Standseilbahn. Obwohl ich meine Zehenspitzen kaum mehr spürte vor Kälte und an der Qualität unserer Idee heftig zweifelte, harrte ich tapfer aus. Brave heart!
     Dicker Nebel auch in Beatenberg, wo wir uns in die ("Klapper"-)Schlange für
die Luftseilbahn einreihten. "Lufgondelibahn" - wie Lars zu sagen pflegte. Und endlich kam es, wie es musste: Wir durchbrachen die Nebeldecke. Jaaa!

Obwohl ich es doch schon so oft erlebt habe, raubt mir das Niederhorn immer wieder - zuerst einmal - den Atem. Was für ein Panorama! Dazu klares Licht, klare Luft, Weite, Ruhe. Den Jauchzer hob ich mir allerdings für später auf.

Zehn Kilometer seien es, stand auf dem Kroki. Waldegg als Fernziel. Eilig hatten wir es nicht, im Gegenteil, wir genossen die Wanderung, gönnten uns Pausen und saugten hungrig die Sonnenstrahlen auf ... 

Beim unteren Burgfeld-Hüttli suchten und fanden wir einen Sonnenplatz. Einige andere Wandernde hatten sich ebenfalls um den Tisch gesetzt, sie winkten uns wie Altbekannte herbei. Es habe genug Platz. Was für herzliche Menschen! Ohne dass ich es gemerkt habe, war mein Tee spazieren gegangen. Alles nass. Wie schade und wie doof, eigentlich! Doch ich konnte bloss lachen. Der eine Wanderer füllte fürsorglich meine Flasche wieder auf, die andere Wandererin bot mir einen Plastiksack an, um die getrockneten Sachen einzupacken. Und R.* wurde mit Schokolade gefüttert. Wirklich herzliche Menschen! Auch der Alpöhi, der mir einen Prospekt mit dem Busfahrplan Waldegg-Beatenberg in die Hand drückte und uns allen die Namen der Berge verraten hatte, war äusserst freundlich. In der Tat: Herzliche Menschen, die oberländischen Eingeborenen!

Als wir kurz vor vier unmittelbar oberhalb der Hochnebelgrenze angelangt waren, beschlossen wir, hier und jetzt die letzten Sonnenstrahlen zu geniessen. 

Schlussendlich waren es nicht wir, die in den Nebel hinein gingen, sondern er kam zu uns und holte uns ab. 

Sofort wurde es bitterkalt. Haare ergrauten und Nasenschleimhäute gefroren innert Minuten. Die letzten Kilometer legten wir im Sauseschritt zurück. Wo genau und warum überhaupt wir damit anfingen, weiss ich nicht mehr, doch irgendwann konnten wir beide nur noch gackern und kichern. Was für herzliche Menschen wir doch sind! ;-)

Den heutigen Muskelkater ist mir das gestrige Erlebnis mehr als wert!

 

donnerstag, 1. januar 2009

Happy New Year?

Das Jahresende ist kein Ende und kein Anfang, sondern ein Weiterleben mit der Weisheit, die uns die Erfahrung gelehrt hat.

Hal Borland

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Ich wünsche euch allen, meinen Leserinnen und Lesern, dass ihr mit den gesammelten Erfahrungen weise leben und das Leben geniessen könnt!

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