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Diagnose HSP
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Das Gras wachsen hören
In der Zeitschrift
Spuren (PDF)
- Nr. 85/Sept 07 -
ist ein umfangreicher Artikel (Erfahrungsbericht) erschienen.
Link
zur Website zartbesaitet.de
Statistisch
gesehen sind es 15% der Bevölkerung – eine Minderheit
– auf welche die Diagnose HSP
zutrifft. Es geht hier allerdings nicht um ein
Krankheitsbild im üblichen Sinn. Nein, hinter dem Wort
HSP verbergen sich die HochSensiblen Personen. Normale
Menschen, wie du und ich, die allerdings, einfach
gesagt, von Natur aus dünneren Nerven und eine dünnere
Haut haben und darum mehr spüren. Diese 15% schwimmen
– oft unbeachtet – in der Masse mit und versuchen
oft genug ihr Anderssein, so gut es geht, zu vertuschen.
Segen
oder Fluch – das ist hier die Frage! Wer immer wieder
hört „Nun hab dich nicht so!“ oder „Reisst dich
doch zusammen!“ könnte zur kleinen Minderheit der
HSP gehören. Denn meist schon von klein auf spürt die
HSP, dass sie anders tickt. Dass sie mehr spürt.
Längst hat auch die Wissenschaft hingeschaut und
entdeckt, dass diese kleine Minderheit der Hochsensiblen
eine andere chemische Reaktion auf Reize zeigt, als das
Gros der Normalsensiblen.
Die HSP reagieren auf die für Normalsensible wenig
relevanten täglichen Reizüberflutungen oder –
neutraler ausgedrückt – (Über-) Stimulationen, mit
einer Erhöhung des körpereigenen Cortisolspiegels.
Dieser bewirkt eine Art Dauererregtheit oder übergrosser
Wachheit. Kann dieser Spiegel nicht immer wieder
zwischendurch gesenkt werden, können chronische
Krankheiten entstehen, die sich auf der körperlichen und
psychischen Ebene manifestieren. Das kann von Reizmagen,
Schlafstörungen bis hin zu Depressionen und psychischen
Erkrankungen ein breites Spektrum abdecken. Ein weiterer körperliche
Hinweis auf HSP ist unter anderem auch der tendenziell
niedrige Blutzuckerspiegel (bei 76% aller HSP) und die
hohe Empfindlichkeit auf Koffein (bei 46% aller HSP).
Gerade „Unterzuckerung (sprich: Hunger) kann dramatische
Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden haben.
(...) HSP fühlen sich stark in ihrer Befindlichkeit
beeinträchtigt. Schwindelzustände, Würgegefühle im
Hals, extreme Reizbarkeit und Übelkeit sind dabei keine
Seltenheit, jedenfalls sind Laune und/oder Konzentrationsfähigkeit
verschlechtert.“1 Zur Regeneration „sind von Natur aus
die Tiefschlafphasen besonders geeignet. Rund
anderthalb Stunden ungestörten Schlafes am Stück werden
benötigt, um einen vollen Schlafzyklus zu absolvieren. So
lange dauert es, um durch die unterschiedlichen
Traumphasen hinab zu tauchen in den Tiefschlaf und im
eigenen Rhythmus wieder daraus aufzusteigen, wobei diesmal
die Traumebenen in umgekehrter Reihenfolge durchlaufen
werden. In den Stunden vor Mitternacht ist die während
eines Zyklus im Tiefschlaf verbrachte Zeit am längsten,
und ab ca. drei Uhr morgens werden die Tiefschlafphasen so
kurz, dass die biochemischen Regenerationsprozesse, zu
denen auch der Abbau von Cortisol gehört, nicht
nennenswert effektiver sind als im Wachzustand.“2
Was aber
ist denn nun eine HSP? Wenn ein Mensch leicht von
Sinneseindrücken in seiner Umgebung berührt wird,
subtile Veränderungen an Umgebung und Menschen bemerkt,
sich von den Stimmungen anderer Menschen beeinflussen
lässt und deren Energielevel fühlen kann, ist die Gefahr
oder die Chance eine HSP zu sein, schon recht gross.
Kommen dann noch das starke Bedürfnis nach Rückzug und
Alleinsein dazu, die Komplexität eines reichen
Innenlebens, ein schnelles Unwohlsein inmitten vieler
lauter Reize und ein sehr grosses Bedürfnis nach
Perfektionismus und starke Gewissenhaftigkeit, kann schon
fast sicher von einer HSP geredet werden. Weitere Hinweise
sind Schreckhaftigkeit, innere Unruhe, wenn es vieles
gleichzeitig zu tun gäbe, das Gefühl, zu wissen, was
jemand brauchen könnte, um sich besser zu fühlen, das
sehr feine Registrieren und Wahrnehmen der Wirkung von
Klängen, Musik, Düften und Kunst. Diese Liste liesse
sich beliebig fortsetzen. Denn auch bei den HSP gibt es
grosse Unterschiede. Kann die eine HSP problemlos die
Sirene eines Krankenwagens ausblenden und dafür über die
Dauerberieselung eines Radios im Nebenzimmer fast
durchdrehen, ist dies beides für eine andere HSP kein
Problem, die dafür den Rasierwasserduft des Chefs durch
drei verschlossene Türen hindurch riecht und davon
Kopfweh bekommt. Die eine HSP fühlt die Funkstrahlen in
der Atmosphäre beim Berühren eines Metallgegenstandes
und eine andere sieht hinter ihrem Rücken die Stimmung im
Gesicht eines neu den Raum betretenden Menschen. Wieder
andere hören in der Stimme des Gegenübers, wie es ihm
geht, auch wenn über ganz andere Sachen geredet werden.
Man
kann die HSP belächeln, aber letztlich können sie
schlicht nichts dafür, dass sie ‚ein bisschen’ anders
sind. Zusammenfassend und vereinfacht kann gesagt
werden: HSP sind Menschen, die über ein geringeres natürliches
Filtersystem verfügen und deshalb mehr Reize aufnehmen.
Das führt zu einer häufigeren Erhöhung ihres ohnehin
schon empfindlicheren Cortisolspiegels, was zu einer häufigeren
Dauerüberlastung des ganzen Bio-Systems führt Dies
wiederum führt zu einer schnelleren Erschöpfung und zu
grösserem Ruhebedürfnis. Oft überlagert wird diese
Tatsache vom unberechtigten Gefühl, nicht in Ordnung zu
sein. „Kennen Sie den hochempfindlichen Menschen,
der in seinem Bedürfnis nach sozialen Kontakten immer
wieder Einladungen zu Festen wahrnimmt, sich damit aber
überfordert? Wenn er sich dann in Trubel, Rauch und Lärm
nicht so recht wohlfühlt und stundenlang hin und her
gerissen wird zwischen seinen Rückzugs- und
Kontaktbedürfnissen, versteht er sich selbst nicht. Er
zweifelt an seiner Normalität, weil er sich an den
anderen misst. In dieser Position können sich manche HSP
(...) selbst nicht leiden, während andere vielleicht dazu
neigen, die nicht hochempfindlichen Bekannten für verroht
oder selbstzerstörerisch zu halten.“3
Was
tun? Vielleicht wird die (HSP-)Forschung ein Medikament
entwickeln, das den Cortisol-Spiegel dieser kleinen
Minderheit steuern kann, damit sie belastbarer und
gesellschaftskonformer werden. Vielleicht verstecken sich
die HSP auch weiterhin? Vielleicht werden die HSP auch
weiterhin belächelt und hinter vorgehaltener Hand als
Mimöschen bezeichnet? Zwar kann sich eine HSP bis zu
einem gewissen Grad mittels Entspannungsmethoden besser
regenerieren und schützen lernen, aber letztlich gilt es,
den Wert hochsensibler Menschen in einer immer schnelleren
Gesellschaft wieder wert zu schätzen und zu integrieren.
Denn Anpassung macht krank.
„Oft
versuchen Hochsensible, ihre Sensibilität zu überwinden
und probieren, so stark, unabhängig und gesellig wie
andere zu sein. Dies gelingt aber nicht dauerhaft und
führt zu neuer Überreizung. Viele Hochsensible
übernehmen dann für sich selbst negativ bewertete
Attribute wie schüchtern, introvertiert, gehemmt. Vielen
Nicht-Hochsensiblen erscheinen die Hochsensiblen als
unglücklich und launisch, weil sie so viel Zeit alleine
verbringen und über so komplizierte Dinge wie den Sinn
des Lebens nachdenken. Hochsensible macht es ihrerseits
nicht zufriedener, wenn sie von anderen mitgeteilt
bekommen, wie schrecklich unglücklich sie seien.
Hochsensible
Menschen haben ihren eigenen Verhaltensstil, der von dem
der Mehrheit abweicht. Sie leisten als SchriftstellerInnen,
PhilosophInnen, KünstlerInnen, ForscherInnen,
TherapeutInnen, LehrerInnen und in vielen weiteren
Bereichen einen bedeutenden Beitrag für unsere
Gesellschaft.“4
©
Denise Maurer (15.2.07)
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1Zitat:
zartbesaitet, Georg Parlow; S. 46/47
2Zitat:
zartbesaitet, Georg Parlow; S. 138
3Zitat:
zartbesaitet, Georg Parlow; S. 13
4Zitat: "The Highly Sensitive Person", von Elaine Aron, aus dem
englischen übersetzt; die deutsche Ausgabe ist unter dem Titel „Sind Sie
hochsensibel?“ erhältlich.
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