Jörg Blech
Die Krankheitserfinder

Wie wir zu Patienten gemacht werden

Cover: Die Krankheitserfinder

Der Wissenschaftsautor Jörg Blech enthüllt, wie Menschen systematisch zu Patienten gemacht werden. Global operierende Konzerne, so seine These, sponsern die Erfindung ganzer Krankheiten und Behandlungsmethoden. Auf diese Weise schaffen sie für ihre Produkte neue Märkte. Jörg Blech zeigt, wie man sich vor dieser Entwicklung schützen kann.

Der Autor, Jörg Blech, geboren 1966, studierte Biologie und Biochemie in Deutschland und England. Er hat die Hamburger Journalistenschule besucht und ist seit 1994 Medizin- und Wissenschaftsredakteur zunächst beim "Stern", dann bei der "ZEIT". Seit 1999 arbeitet er für den "Spiegel", wo er zahlreiche Titelgeschichten veröffentlicht hat.

************************************

Rezension aus 'literaturtest.de'

Haben Sie schon einmal von der "Paradies-Depression" gehört, die zum Beispiel Rentner befällt, die ihren Altersruhesitz nach Mallorca verlegt haben? Oder von der "generalisierten Heiterkeitsstörung", die sich in Symptomen wie Sorglosigkeit und Realitätsverlust äußert? Nein, Sie befinden sich nicht in der Harald Schmidt-Show, sondern mitten im Wunderland unseres Medizinsystems. Anhand dieser und ähnlicher "Krankheitsbilder" dokumentiert Spiegel-Redakteur Jörg Blech einen medizinischen Megatrend: die "Medikalisierung" unseres Daseins, verbunden mit der Erfindung von Krankheiten als wichtigem Marketinginstrument.

Allianzen des Profits
Pharmafirmen sind Wirtschaftsunternehmen und versuchen als solche, ständig neue Märkte zu erschließen. So weit, so nachvollziehbar. Was aber, wenn Firmen vermeintliche Krankheiten wie Marken aufbauen, um ihre Medikamente besser verkaufen zu können? Wenn die Anwendungsbereiche eines Wirkstoffs immer weiter ausgedehnt werden, so dass etwa Alzheimer-Medikamente zur Leistungssteigerung bei Managern eingesetzt werden? Dann wird, so der Autor, "Krankheit zum Industrieprodukt". Die Angst der Menschen vor verminderter Leistungsfähigkeit, Alter, Krankheit und Tod wird regelrecht ausgeschlachtet. Oft in Zusammenarbeit mit PR-Agenturen, Journalisten und Medizinern (so genannten "Mietmäulern") werden normale Daseinsprozesse wie Haarausfall oder persönliche Probleme wie Schüchternheit so dramatisiert, dass die "Patienten" in ihrer "Not" dankbar zu den entsprechenden Präparaten greifen.

Zielgruppe "Kind"
Besonders bedenklich ist dieser Trend in Bezug auf die Zielgruppe "Kind". Ein Beispiel: Die medikamentöse Bekämpfung des so genannten "Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom" (ADS) hat mittlerweile epidemische Ausmaße angenommen. Ritalin und seine Konkurrenzprodukte dürfen zwar in Deutschland nur nach den strengen Auflagen des Betäubungsmittelgesetzes abgegeben werden. Trotzdem verabreichen manche Ärzte das Medikament auch Kindern unter sechs Jahren ¿ legal! Auch wenn man sich mitunter ein etwas differenzierteres Herangehen gewünscht hätte: Jörg Blech hat ein aufrüttelndes Buch zu einem hoch aktuellen Thema geschrieben.
(Roland Große Holtforth)

 

Zusammenfassung mit mehreren Rezensionen (PDF)
> hier klicken...